«Die Entwicklung der Lehre im Bereich Humanwissenschaften fasziniert mich.»

Mehr entdecken
big data
CDH
campus
Digital Humanities
Lehre

Béla Kapossy ist neuer Direktor des Collège des Humanités (CdH) an der EPFL. Er trat sein Amt am 1. August 2018 an. Der von den politischen und wirtschaftlichen Ideen, die die moderne Zeit geprägt haben, begeisterte Historiker spricht über seine Faszination für neue Technologien und die dadurch aufgeworfenen gesellschaftspolitischen, ethischen und philosophischen Fragen.

Wie ist Ihre Herangehensweise an die Digital Humanities?

Ich bin Historiker. Dabei handelt sich um ein Fach mit eigenen Traditionen und einer eigenen Art, zu unterrichten. Die Historiker werden sich der Bedeutung der Digital Humanities in Forschung und Lehre nach und nach bewusst. Die EPFL spielt auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle. Ich freue mich darauf, das Potenzial der technologischen Instrumente für unsere eigenen Fachrichtungen im Bereich der Humanwissenschaften zu ergründen, aber auch zu sehen, welche neuen Fragen sich dank oder aufgrund dieser neuen Technologien ergeben und welche Antworten wir finden können.

«Alle gesellschaftspolitischen, ethischen oder philosophischen Fragen im Bereich Digital Humanities streifen ganz neue Wissensfelder.»

Worauf werden wir in Zukunft achten müssen?

Die Lehrkräfte und Studierenden der Ingenieurwissenschaften werden sich ihrer Verantwortung bewusst, sich soweit als möglich über die gesellschaftspolitischen Auswirkungen ihrer künftigen Entdeckungen zu informieren. Alle gesellschaftspolitischen, ethischen oder philosophischen Fragen im Bereich Digital Humanities streifen ganz neue Wissensfelder.

Die Ethik von künstlicher Intelligenz und Big Data verlangt nach einer spezifischen Ausbildung. Die Human- und Gesellschaftswissenschaften können einen anderen Blick auf das werfen, was wir tun. Die Digitalisierung wird zweifellos mit Herausforderungen für die verschiedenen Fakultäten verbunden sein, und das Collège des Humanités (CdH) wird eine sehr wichtige Rolle innerhalb der EPFL zu spielen haben.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung des CdH?

Ich denke, dass es an Bedeutung gewinnen wird. Ich möchte die Kommunikation zwischen Ingenieuren und Forschern des Bereichs Humanwissenschaften, die auch auf dem Gebiet der Digital Humanities arbeiten, verbessern. Die Bedürfnisse und Herausforderungen, die wir identifizieren und anpacken sollten, sind unterschiedlich. Dadurch werden wir uns auch fragen können, warum die Kommunikation schwierig ist. Ich bin überzeugt, dass wir die Studierenden sensibilisieren und die Zusammenarbeit zwischen der UNIL und der EPFL stärken können.

Biografie

Der Schweizer Béla Kapossy wurde am 25. Oktober 1965 in Bern geboren. Nach einem Geschichtsstudium an den Universitäten Heidelberg und Cambridge begann er seine akademische Laufbahn in Lausanne als Assistent am Lehrstuhl für die Geschichte des politischen Denkens in den Gesellschafts- und Politikwissenschaften (UNIL). Seit 2009 leitet er die Plattform Lumières.Lausanne am Centre des sciences historiques de la culture (SHC) der philologischen Fakultät (UNIL). 2011 wurde er zum Professor für moderne Geschichte an der philologischen Fakultät (UNIL) ernannt.

2015 wurde er Leiter des von der CUSO (Konferenz der Westschweizer Universitäten) finanzierten, fächerübergreifenden Doktoratsprogramms für die Erforschung der Aufklärung. Seit 2016 präsidiert er die SAGW-Kommission (Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften) des Data and Service Center for the Humanities (DASCH).

Sein Forschungsbereich ist die Geschichte der politischen und wirtschaftlichen Ideen. Béla Kapossy interessiert sich für die politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen, die von den europäischen Denkern als für das Funktionieren der politischen Institutionen notwendig erachtet wurden, sowie für die von ihnen entwickelten historischen Theorien zur Erklärung des Erfolgs oder Misserfolgs europäischer und aussereuropäischer Nationen.

Scrollen
Campus | 22 artikel