FET Flagship: EPFL-Projekte überstehen erste Auswahlrunde

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Die beiden von der Hochschule koordinierten Projekte Health EU und Time Machine kamen in die zweite Auswahlrunde für den Erhalt einer Unterstützung durch das ehrgeizige FET-Flagship-Programm der Europäischen Kommission. Dabei winkt eine Finanzierung von einer Milliarde Euro über zehn Jahre.

Erste Runde überstanden! Die beiden EPFL Projekte, die sich für den Erhalt einer Unterstützung durch das FET-Flagship-Programm der Europäischen Kommission bewarben, erreichten die zweite Runde des Auswahlverfahrens. Es handelt sich um Health EU unter der Führung von Adrian Ionescu vom Labor für nanoelektronische Systeme (NANOLAB), und um Time Machine unter der Leitung von Frédéric Kaplan vom Labor für Digital Humanities (DHLAB).

Anfänglich bewarben sich 33 Projekte von Universitäten aus ganz Europa für dieses FET-Flagship-Programm zum Thema neue und aufstrebende Technologien. Rund die Hälfte – d.h. 17 – kamen in die zweite Runde.

«Eine Art gigantischer Simulator soll mit dem Projekt  gebaut werden. Ziel ist es, 2000 Jahre europäische Geschichte zu kartografieren und die vielen Kilometer Archive und die beeindruckenden Sammlungen der Museen des Kontinents in einem grossen System digitaler Informationen zusammenzufassen.»

Riesige Datenbank der Vergangenheit

Time Machine baut auf dem 2012 gestarteten Projekt Venice Time Machine (VTM) auf, das als «Proof-of-Concept» dient. Dabei sollte auf der Basis von Millionen historischer Dokumente unterschiedlichster Formate ein multidimensionales Modell der Stadt in Raum und Zeit über die letzten 1000 Jahre erstellt werden. Innerhalb von fünf Jahren wurden 190’000 Dokumente aus Staatsarchiven, 720’000 fotografische Dokumente und 3000 Bände über die Geschichte der Stadt eingescannt. Time Machine will nun auf europäischer Ebene das wiederholen, was bei der VTM erreicht wurde.

In seiner Flagship-Version soll mit dem Projekt eine Art gigantischer Simulator gebaut werden. Ziel ist es, 2000 Jahre europäische Geschichte zu kartografieren und die vielen Kilometer Archive und die beeindruckenden Sammlungen der Museen des Kontinents in einem grossen System digitaler Informationen zusammenzufassen.

Zahlreiche europäische Universitäten sind bereits dabei, ihre Time Machine aufzubauen, um eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen. Amsterdam, Nürnberg, Paris, Jerusalem, Budapest und Neapel haben beschlossen, in ihre Archive abzutauchen, um eine riesige, auf nationaler und europäischer Ebene vernetzte Datenbank einzurichten. Bisher haben sich 170 Partnerinstitutionen aus 33 Ländern dem Projekt Time Machine angeschlossen und ein Konsortium gegründet, um neue Technologien für die Digitalisierung, die Analyse, den Zugang, die Aufbewahrung und die Kommunikation des kulturellen Erbes im grossen Massstab zu entwickeln.

«Diese Auswahlrunde zu überstehen war entscheidend, nicht nur für unser Konsortium, sondern auch für das kulturelle Erbe allgemein», sagt Frédéric Kaplan. «Zum ersten Mal wird in diesem Bereich ein über zehn Jahre geplantes und von Institutionen aller europäischen Länder unterstütztes Projekt im Umfang von einer Milliarde vorgeschlagen.

Der Aufbau einer europäischen Infrastruktur für die Umwandlung unseres historischen Erbes in eine wichtige Ressource für Bildung, Forschung und Wirtschaft ist ein beispielloses Abenteuer, und dieser Sieg ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Verwirklichung unseres Traums einer Zeitmaschine für alle Europäerinnen und Europäer.»

Avatar für Gesundheitsschutz

Mit Health EU würde jeder über seinen medizinischen Avatar verfügen, d.h. einen virtuellen Doppelgänger, der alle für das Gesundheitsmanagement und eine effizientere Behandlung notwendigen persönlichen Daten enthält.

Dieses internationale, von einem Konsortium mit der EPFL und der Universität Twente an der Spitze geleiteten Projekt will die Prävention, die Frühdiagnose, die Genauigkeit der Nachsorge und die individualisierte Verschreibung von Medikamenten und Behandlungen vor allem bei den immer häufiger auftretenden Erkrankungen wie Herzkreislaufstörungen, Krebs, chronischen und neurodegenerativen Erkrankungen fördern.

«Mit Health EU würde jeder über seinen medizinischen Avatar verfügen, d.h. einen virtuellen Doppelgänger, der alle für das Gesundheitsmanagement und eine effizientere Behandlung notwendigen persönlichen Daten enthält.»

Die Hauptidee besteht in der Zusammenlegung von personalisierter Medizin und Digitalisierung durch die Nutzung der neusten technologischen Entwicklungen wie vernetzte Gegenstände und künstliche Intelligenz, aber auch mit Methoden wie «Digital Twins» und «Organ-on-Chip». Mit der ersten können anhand digitaler Modelle die Wirkungen von Variablen, Prozessen und Szenarien getestet und gemessen werden, die in der Realität nicht angewandt werden könnten.

Bei der zweiten lassen sich auf einem Chip und folglich ausserhalb des menschlichen Körpers die biologischen Funktionen eines Organs oder die Wirkungen von Medikamenten beobachten und so manchmal äusserst schädliche Nebenwirkungen vermeiden sowie die Behandlungen genau auf die Bedürfnisse der Patienten abstimmen.

«Health EU schafft die Grundlagen für eine florierende Medizin des 21. Jahrhunderts», meint Adrian Ionescu. «Mit der Nutzung von menschlichen Avataren kündigt sich eine regelrechte Revolution an, bei der die Personalisierung der Behandlungen, die Prävention und die Früherkennung von Erkrankungen zu einem wirtschaftlich tragfähigeren Gesundheitsansatz und einer besseren Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger führen wird.»

«Es handelt sich um ein sehr ehrgeiziges Programm, das durch die Integration der Vorteile der modernen Wissenschaft und Technologie neue Möglichkeiten für die Gesundheit der Zukunft schafft und diese gleichzeitig für alle erschwinglich werden lässt», betont Prof. Ben Feringa, der 2016 für die Entwicklung molekularer Maschinen den Nobelpreis für Chemie erhielt.

Health EU wird von der EPFL zusammen mit den beiden niederländischen Institutionen Universität Twente und HDMT (Organ on Chip Association) koordiniert und ist über Prof. Albert van den Berg im Koordinierungsausschuss vertreten.

Health EU umfasst mehr als 90 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 47 Spitzenforschergruppen von Universitäten, Instituten, Kliniken und Unternehmen aus 16 europäischen Ländern. Darüber hinaus sind noch rund 60 Partner beteiligt.

Beim dritten Bewerber für eine FET-Flagship-Unterstützung, Robotics Flagship, der die erste Auswahlrunde ebenfalls überstanden hat, ist die EPFL auch eine treibende Kraft.

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