Kroatien startet zusammen mit der EPFL ein Programm, um seine Talente zu behalten

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Ein auf der Grundlage des Know-hows der EPFL entwickeltes Pilotprojekt bot vier herausragenden jungen kroatischen Forscherinnen und Forschern den Status von Tenure-Track-Professoren sowie eine Million Franken für die Durchführung eines Forschungsprogramms in ihrem Land. Startbeginn war am 15. Mai 2018 in Zagreb.

Neue Zukunfts- und Karriereperspektiven für die vielversprechendsten Forscherinnen und Forscher: So lautet das Ziel des Pilotprogramms zur Tenure-Track-Förderung in Kroatien. Es ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen der EPFL, der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), dem kroatischen Wissenschaftsministerium, der kroatischen Wissenschaftsstiftung (CSF) und verschiedenen akademischen Institutionen des osteuropäischen Landes. Das ehrgeizige Projekt im Umfang von 4,7 Millionen Franken soll die Innovation fördern und den Brain Drain ins Ausland begrenzen.

Am Ende eines im März 2018 eingeleiteten Auswahlverfahrens erhielten vier junge, herausragende kroatische Wissenschaftler den Status eines Tenure-Track-Professors. Jeder von ihnen wird über eine Million Franken verfügen können, um über einen Zeitraum von fünf Jahren sein Labor einzurichten, ein Team einzustellen und ein Forschungsprogramm durchzuführen.

«Es geht nicht nur darum, die Talente im Ausland zu ermutigen, nach Kroatien zurückzukehren, sondern vor allem auch, ihnen eine Chance, Verantwortung und Zukunftsperspektiven in ihrem eigenen Land zu bieten, damit sie es nicht mehr unbedingt verlassen müssen, um erfolgreich Karriere zu machen», sagt Olivier Küttel, Delegierter des Präsidenten für internationale Angelegenheiten an der EPFL. Daher bietet ihnen das Programm ein Gesamtpaket mit einem Team, Material, Räumlichkeiten, administrativer Unterstützung und vor allem völliger Freiheit im Umgang mit den Ressourcen. Wenn das Experiment nach vier Jahren positiv beurteilt wird und die herausragende Arbeit des Forschers bestätigt ist, erhält er eine feste Anstellung.

Genaue Beobachtung

Tome Antičić, Staatssekretär für Wissenschaft und europäische Mittel im kroatischen Ministerium für Wissenschaft und Bildung, beschreibt die Bedeutung des Projekts für sein Land: «Kroatien verfügt über zahlreiche wissenschaftliche Talente. Wir müssen sie im Land halten und ihnen die bestmöglichen Karriereaussichten bieten können.

«Die Leitung der EPFL sah in diesem Programm eine Gelegenheit, ein für sie spezifisches und allgemein anerkanntes Know-how weiterzugeben und aufzuwerten. Die Hochschule ist eine der wenigen Universitäten Europas, die das Tenure-Track-System seit dem Jahr 2000 erfolgreich anwenden.»

In diesem Sinne ist das von der Schweiz unterstützte und von der kroatischen Wissenschaftsstiftung durchgeführte Tenure-Track-Programm der EPFL sehr viel versprechend. Wir beobachten die Entwicklung genau, umso mehr als das Ministerium dabei ist, unser Wissenschaftssystem neu zu definieren, indem wir es verstärkt für internationale Meisterhaftigkeit öffnen, und dieses Modell könnte als Grundlage für eine sehr viel umfangreichere Initiative in naher Zukunft dienen.»

Die Idee entstand vor vier Jahren, als Kroatien gerade der Europäischen Union beigetreten war. Das damals noch ehrgeizigere Projekt wurde der Europäischen Kommission für eine Finanzierung über das Programm Horizon 2020 unterbreitet. Da es jedoch rasch die Folgen der Abstimmung vom 9. Februar 2014 über die sogenannte «Masseneinwanderungsinitiative» zu spüren bekam, musste es überarbeitet und erheblich redimensioniert werden.

Die kroatische Regierung beteiligt sich ebenfalls mit 15% an der Finanzierung des Projekts und stellt die entsprechenden wissenschaftlichen Infrastrukturen bereit.

Erfolgreich getestet

Die Leitung der EPFL sah in diesem Programm eine Gelegenheit, ein für sie spezifisches und allgemein anerkanntes Know-how weiterzugeben und aufzuwerten. Die Hochschule ist eine der wenigen Universitäten Europas, die das Tenure-Track-System seit dem Jahr 2000 erfolgreich anwenden. Bisher wurde dieser Status an der EPFL 171 Personen verliehen, von denen viele anschliessend einen ERC Starting Grant erhielten. Dabei handelt es sich um das prestigeträchtigste, vom Europäischen Forschungsrat gewährte Stipendium für junge Forscherinnen und Forscher.

Die von Anfang an aktiv an der Gestaltung des Programms beteiligten EPFL-Experten sind auch stark in die Evaluierung der Bewerberinnen und Bewerber involviert. Die endgültige Wahl wurde im Herbst bekannt gegeben.

«Mit dieser Initiative möchte man nicht nur die besten Wissenschaftler gewinnen und halten, sondern langfristiger auch einen Multiplikatoreffekt erzeugen», erklärt Olivier Küttel. «Die jungen Talente werden sicherlich weitere nachziehen, Arbeitsplätze schaffen und Start-ups gründen und so eine nicht zu vernachlässigende positive Wirkung auf die kroatische Wirtschaft haben. In diesem Sinne könnte das Pilotprojekt schnell auf andere europäische Länder ausgedehnt werden.»

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