Kung-Fu versetzt ArtLab in Bewegung

Mehr entdecken
ArtLab
CDH
campus

Am 28. April 2018 wurde im Hauptausstellungsraum des ArtLab auf dem EPFL-Campus die Ausstellung Kung Fu Motion: lebendiges Archiv eröffnet. Das Projekt begleitet die Integration des ArtLab ins Collège des Humanités der Hochschule und ist der Auftakt zu einer ganzen Reihe spannender Programme zur Erkundung der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft.

Kung Fu Motion zeichnet die dynamische Geschichte der traditionellen Kampfsportarten des südlichen Chinas und Hongkongs unter dem Gesichtspunkt spitzentechnologischer Archivierungsmethoden nach. Die experimentelle Ausstellung an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und rituellen Praktiken bietet neue Perspektiven auf unsere Beziehung zum immateriellen kulturellen Erbe.

Sie ist das Ergebnis der 2012 ins Leben gerufenen, bedeutenden Forschungsinitiative «Hong Kong Martial Arts Living Archive». Diese noch laufende Forschung ist eine Zusammenarbeit zwischen der International Guoshu Association, City University of Hong Kong, und dem Labor für experimentelle Museologie (eM+) des Instituts für Digital Humanities an der EPFL.

Wer sich für das immaterielle Erbe in Verbindung mit Kampfsportarten interessiert, kommt in Hongkong voll auf seine Kosten. Von Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts diente Hongkong als Zufluchtsort für Tausende Einwanderer aus China, unter denen sich einige der grössten Kampfsportler der Welt befanden. Ihre durch die Filme von Jackie Chan und anderen weltweit berühmt gewordenen Sportarten sind dort zwar weiterhin präsent, aber durch die Globalisierung, Urbanisierung und abnehmende Zahl der Sportler vom Aussterben bedroht.

«Kung Fu Motion untersucht die Strategien zur Kodierung, Wiedergewinnung und Reproduktion des immateriellen Erbes, damit diese Archive in der Gegenwart «lebendig» sein können», erklärt Prof. Sarah Kenderdine, Leiterin des ArtLab und des Labors eM+ an der EPFL.

Als Quelle für die Ausstellung dient das «Hong Kong Martial Arts Living Archive». Es zählt bisher 19 Kung-Fu-Stile und 130 mit Unterstützung von 33 Eliteathleten gesammelte Bewegungsdatensätze. Diese Daten dokumentieren die als Taolu bezeichneten, vordefinierten und ursprünglich als Erinnerungshilfen für die Studierenden gedachten Bewegungsabläufe, die verwendet werden, um traditionelle Kampfsportarten zu lernen, zu praktizieren und vorzuführen.

«Kung Fu Motion untersucht die Strategien zur Kodierung, Wiedergewinnung und Reproduktion des immateriellen Erbes, damit diese Archive in der Gegenwart «lebendig» sein können»

Ausstellung und Experiment

«Die Ausstellung umfasst historisches Material und kreative Visualisierungen auf der Basis fortgeschrittener Dokumentationstechniken einschliesslich Bewegungserfassung, Hochgeschwindigkeitsvideo sowie Drohnen- und Panoramaaufnahmen», erklärt Sarah Kenderdine. «Das Archivmaterial wird mithilfe von Bewegungsanalysen neu interpretiert und mit Unterstützung von Virtual und Augmented Reality sowie interaktiver Medienkunst neu in Szene gesetzt. Bei diesen lebendigen Archiven werden neue, interaktive und immersive Anzeigeparadigmen verwendet, um die Leistungen der Kung-Fu-Grossmeister für die künftigen Generationen zu erhalten.

Die Ausstellung Kung Fu Motion erkundet den Begriff des Museums der Zukunft und ist so konzipiert, dass sie die Fantasie unterschiedlicher Zielgruppen anspricht: Studierende, Designer, an Projekten der virtuellen Realität arbeitende oder durch die Technologien des Kinos von morgen interessierte kreative Köpfe, Familien und insbesondere Kinder, die Kampfsportarten lernen, Sportwissenschaftler, Spezialisten für kulturelles Erbe und neue Museologie sowie alle, die sich für chinesische Kultur interessieren.

Kung Fu Motion

Digital Humanities: an der Schnittstelle von Technologie und Humanwissenschaften

Der Bereich Digital Humanities erzeugt einen Dialog zwischen der zeitgenössischen Wissenschaft und den drängendsten kulturellen und gesellschaftspolitischen Fragen von heute, indem er Instrumente für die Erweiterung unseres Wissens und unseres Verständnisses dieser Fragen bietet. Die Fachrichtung erneuert und konfiguriert den Zugang zu kulturellen Daten unterschiedlicher Art neu, deren Potenzial von Künstlern, Humoristen und Wissenschaftlern neu genutzt werden kann. Je mehr wir im «postdigitalen» Zeitalter voranschreiten, desto mehr werden die Grenzen zwischen Kunst und Wissenschaft nach und nach verschwinden.

Die EPFL ist auf einzigartige Weise an diesem Prozess beteiligt: Sie bildet die nächste Generation von Wissenschaftlern für die Anwendung neuer Technologien auf die tiefgreifendsten menschlichen Fragen aus. Die Ausstellungen und Programme des ArtLab sind ein besonderer Ausdruck dieses Auftrags.

Neues Labor für experimentelle Museologie und neue Vision für das ArtLab

Kung Fu Motion ist ein Projekt des neuen EPFL-Labors für experimentelle Museologie (eM+), eine fächerübergreifende Initiative an der Schnittstelle zwischen neuen Visualisierungstechnologien, visueller Analyse, Ästhetik und Interpretation kultureller Daten. Das eM+ wird von Prof. Sarah Kenderdine geleitet.

Im letzten Quartal 2017 wurde das ArtLab offiziell ins Collège des Humanités der EPFL integriert, das auch das Institut für Digital Humanities der Hochschule umfasst. In den ersten drei Jahren untersteht das ArtLab ebenfalls der Verantwortung von Sarah Kenderdine.

Für die EPFL stellen die drei dynamischen, öffentlichen Räume des ArtLab eine wichtige Schnittstelle für den Zugang und Experimente rund um die neuen Technologien sowie die Diskussion über ihren Stellenwert und ihre Wirkung im gesellschaftspolitischen und kulturellen Kontext dar.

Scrollen
Campus | 22 artikel