«Meine Ernennung wird die Beziehungen zwischen dem IKRK und der EPFL stärken.»

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Edouard Bugnion wurde zum Mitglied des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) gewählt und erhält einen Sitz in der Versammlung, d.h. der Entsprechung des Verwaltungsrats in der Privatwirtschaft. Der Vizepräsident für Informationssysteme wird sein Fachwissen im Bereich der Digitalisierung in dieses Amt einbringen können.

Wie wurden Sie Mitglied der IKRK-Versammlung?

Das Verfahren ist vertraulich. Die Versammlung kooptiert ihre Mitglieder gemäss festgelegten Kriterien, die die Vielfalt der Geschlechter, der beruflichen Erfahrungen und der Fachgebiete berücksichtigen.

 

Was bringt diese Wahl Ihnen und der EPFL?

Ich fühle mich sehr geehrt, der Versammlung beizutreten. Es handelt sich um ein freiwilliges, externes Mandat mit regelmässiger Teilnahme an den Sitzungen der Versammlung sechsmal pro Jahr.

Dies wird natürlich die bereits bestehenden Beziehungen zwischen dem IKRK und der EPFL stärken. In diesem Zusammenhang möchte ich insbesondere das im März 2016 von Patrick Aebischer und Peter Maurer unterzeichnete Rahmenabkommen und den daraus entstandenen «Humanitarian Tech Hub» erwähnen. Bei diesem handelt es sich um ein Programm zur Verbesserung der Situation von Opfern humanitärer Krisen dank des Erfindergeistes der Forscherinnen und Forscher. Unsere Institutionen arbeiten auch regelmässig im Bereich Big Data zusammen. Schliesslich ist das IKRK Gründungsmitglied des Center for Digital Trust, einer Referenz für die Abdeckung des klaren Bedürfnisses, über ein Wissens- und Kompetenzzentrum für digitales Vertrauen zu verfügen.

«In intellektuellen Kreisen wird darüber diskutiert, ob das klassische Recht weiterentwickelt werden soll, um die digitalen Herausforderungen in Friedenszeiten zu meistern.»

Welche Kompetenzen bringen Sie ins IKRK ein?

Als Spezialist für die digitale Welt werde ich meine diesbezüglichen Kompetenzen einbringen. Die Digitalisierung verändert heute alles sehr schnell. Auf die Tätigkeit des IKRK wird sie sich in drei wichtigen Bereichen auswirken: Erstens wird das IKRK wie alle Institutionen digital, zweitens haben die Hilfeempfänger des IKRK, insbesondere Flüchtlinge und Häftlinge, digitale Bedürfnisse, die für ihre Kommunikation und Sicherheit von zentraler Bedeutung geworden sind, und drittens sind die digitalen Instrumente eine zivile Infrastruktur, von der die humanitären Organisationen abhängig sind, die jedoch auch Militär- oder Spionageangriffen ausgesetzt sein kann.

Wie steht es um einen internationalen Rahmen für den Schutz von Zivilisten vor schädlichen Handlungen im Cyberspace?

Zurzeit ist in der Tat häufig die Rede von Genfer Konventionen für den Digitalbereich. Die vom Microsoft-Präsidenten Brad Smith angestossene Diskussion über dieses Thema befasst sich mit dem Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten in Friedenszeiten. Zur Erinnerung: Das IKRK ist die Hüterin der Genfer Konventionen, die sich auf den Schutz von Zivilisten und kampfunfähigen Personen in Kriegszeiten beziehen.

In intellektuellen Kreisen wird darüber diskutiert, ob das klassische Recht weiterentwickelt werden soll, um die digitalen Herausforderungen in Friedenszeiten zu meistern, und ob das humanitäre Recht, das die Beziehungen in Kriegszeiten regelt, angepasst werden muss. Ich möchte das IKRK bei dieser Diskussion insbesondere über meine Kontakte in der Informatikindustrie, in der ich 15 Jahre lang gearbeitet habe, unterstützen.

Werdegang von Edouard Bugnion

Edouard Bugnion wurde 1970 geboren und ist in Neuenburg und Genf aufgewachsen. Er studierte an der ETH Zürich und erwarb anschliessend seinen Doktortitel im Bereich Informatik an der Universität Stanford. 18 Jahre lang machte er Karriere im Silicon Valley, wo er die beiden Start-ups VMware und Nuova Systems (von Cisco übernommen) gründete, in denen er für die Technologie verantwortlich zeichnete.

Zurück in der Schweiz wurde er 2012 Titularprofessor an der Fakultät für Computer- und Kommunikationswissenschaften der EPFL. Seit Januar 2017 ist Edouard Bugnion Vizepräsident für Informationssysteme.

Er hat zahlreiche Auszeichnungen sowohl für seine akademische Arbeit als auch als Unternehmer erhalten. Er wurde von der Association for Computing Machinery (ACM) zum Fellow ernannt und ist Mitglied der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW).

Edouard Bugnion ist Verwaltungsratsmitglied von Logitech und der Schweizer Innovationsagentur Innosuisse.

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