RENKU: Plattform des Swiss Data Science Center für Offene Wissenschaft

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Obwohl zahlreiche renommierte Universitäten die Offene Wissenschaft heute als strategische Priorität betrachten, werden die diesbezüglichen Instrumente der Datenwissenschaft weiterhin stiefmütterlich behandelt.

Die eigentlich zahlreich vorhandenen Instrumente entsprechen nicht den Methoden, Prozessen und Dokumentationsnormen der verschiedenen Forschungszyklen, die jedoch wiederum entscheidend sind, um die Reproduzierbarkeit, Wiederverwendbarkeit und Diskussionen über die veröffentlichten Ergebnisse zu garantieren.

Auch wenn in der Industrie und den universitären Einrichtungen eine beträchtliche Begeisterung für die Entwicklung von Plattformen zur Abdeckung der Bedürfnisse einer reproduzierbaren Forschung festzustellen ist, gibt es bis heute weder ein wirklich integriertes Instrument noch eine integrierte Vision für die Datenwissenschaft, mit der die Nachverfolgbarkeit der Forschung und somit letztlich die Förderung einer offenen und durch Dritte reproduzierbaren Wissenschaft gefördert werden kann.

Das Swiss Data Science Center (SDSC) entwickelt auf der Basis seiner Erfahrungen mit Projekten in akademischen sowie industriellen Bereichen die innovative Datenwissenschaftsplattform RENKU (https://datascience.ch/solutions/), mit der die technologischen Herausforderungen der von immer mehr Forscherinnen und Forschern befürworteten Grundsätze einer offenen und reproduzierbaren Wissenschaft in Angriff genommen werden können.

Die Plattform RENKU («kollaborative Poesie» auf Japanisch) bietet völlige Nachverfolgbarkeit und Transparenz, sodass Wissenschaftler, die nicht an einer Studie teilgenommen haben, die Qualität und Richtigkeit von deren Ergebnissen bestätigen können.

Sie ist so konzipiert, dass sie die besten Praktiken zur Förderung der FAIR-Prinzipien (Findable, Accessible, Interoperable und Reusable) begünstigt, und seit 2018 ist RENKU in einer Beta-Testversion für die gesamte Wissenschaftsgemeinde als Cloud-Dienst verfügbar.

Das SDSC und die Fakultät für Life Sciences (SV) haben in diesem Zusammenhang mit der Entwicklung einer computergestützten Dienstleistung für die Verwaltung und Analyse der von der Fakultät gespeicherten Daten begonnen. Diese wird als Pilotprojekt für die Systeme für biologische Analysen im Bereich Life Sciences dienen, z.B. in der Genetik oder der Neurowissenschaft der kognitiven Systeme.

RENKU wird über diesen innovativen Ansatz mit den Informationstechnologien der SV verbunden sein und so eine transparente Nutzererfahrung von A–Z, d.h. von der Probenahme bis zur Veröffentlichung der Ergebnisse, bieten.

Ziel ist die Normierung und Vereinfachung der Veröffentlichung reproduzierbarer Ergebnisse. Auf diese Weise sollen für die EPFL und darüber hinaus für die gesamte Wissenschaft gute Forschungspraktiken definiert werden, die dem Grundsatz der offenen Wissenschaft entsprechen.

Offene Wissenschaft an der EPFL

Die Anstrengungen des Swiss Data Science Center (SDSC) sind nur ein Beispiel zahlreicher, auf dem Campus entstehender Initiativen, die alle darauf abzielen, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung allen zugänglich zu machen, damit möglichst viele Menschen davon profitieren.

Diese als «Offene Wissenschaft» bezeichnete Bewegung stellt derzeit die Wissenschaft weltweit auf den Kopf, und die Forscherinnen und Forscher der EPFL bilden da keine Ausnahme. Sie verwenden immer häufiger die von der Offenen Wissenschaft empfohlenen Vorgehensweisen, indem sie ihre Entdeckungen beispielsweise in frei zugänglichen Zeitschriften veröffentlichen (Open Access). Sie nutzen oder entwickeln ausserdem Plattformen und Standards, um ihre Forschungsergebnisse – Daten, Algorithmen, Methoden und Instrumente – einfacher zu verbreiten.

Diese neuen, in der Wissenschaft langsam aufkeimenden Gewohnheiten sind u.a. die direkte Folge der Digitalisierung der Forschung an sich sowie der allgemeinen Nutzung des Internets. Dies führt dazu, dass eine Entdeckung sich unmittelbar auf andere wissenschaftliche Forschungen sowie auch auf die Gesellschaft im Allgemeinen auswirken kann.

Die Leitung der Hochschule hat Massnahmen ergriffen, um den notwendigen kulturellen Wandel zu unterstützen, der oft eine Ergänzung zu den technologischen Aspekten bildet. Dazu gehört die Ankündigung eines mit 3 Millionen Franken dotierten Fonds, mit dem die Forscherinnen und Forscher auf dem Campus das Potenzial und die Herausforderungen der Offenen Wissenschaft ausschöpfen bzw. in Angriff nehmen können. Eine erste Projektreihe ist bereits für 2019 geplant. Des Weiteren wurde eine neue Webseite zu diesem Thema aufgeschaltet (https://www.epfl.ch/research/open-science/). Sie präsentiert nützliche Informationen, insbesondere über die von der Bibliothek angebotenen Dienstleistungen sowie die zu diesem Thema durchgeführten Veranstaltungen.

Ein am Ende des vergangenen Jahres eingesetzter Ausschuss aus Professoren und Verwaltungsangestellten zeichnet für die strategische Ausrichtung verantwortlich. Das von Prof. Katrin Beyer geleitete Gremium informiert und berät die Leitung der EPFL, namentlich in Bezug auf Prioritäten und Umsetzungsmöglichkeiten. Die im Sommer 2018 von diesem Gremium ausgearbeiteten ersten Empfehlungen zeigten, wie wichtig ein Engagement in drei Bereichen ist: Infrastrukturen und insbesondere Einrichtungen für die Speicherung, Verwaltung und gemeinsame Nutzung von Daten, Kommunikation, um die Forscherinnen und Forscher auf die Herausforderungen des aktuellen Wandels aufmerksam zu machen, und Schulung für die zur Einführung der Best Practices notwendigen Instrumente und Kompetenzen, damit die Offene Wissenschaft auch die erhoffte Wirkung erzielt.

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