Blockchain zur Rettung der elektronischen Abstimmung: eine Premiere an der EPFL

Mehr entdecken
blockchain
technologie
Informatik
Politik

Vor Kurzem wurde an der EPFL ein auf der Blockchain-Technologie basierendes System für elektronische Abstimmungen getestet. Ziel war eine digitale Garantie für das Vertrauen zwischen mehreren Partnern. Das Open-Source-System wird bald auf der Plattform des Center for Digital Trust verfügbar sein.

Immer mehr Institutionen in der Schweiz und im Ausland interessieren sich für die elektronische Stimmabgabe. Die Stadt Zug hat einen Online-Fragebogen als ersten Schritt auf dem Weg zur elektronischen Abstimmung getestet. Dennoch bleiben Zweifel an der Sicherheit solcher zentralisierter Systeme und stellen ein bedeutendes Hindernis bei ihrer Einführung dar. Unter der Schirmherrschaft des Center for Digital Trust (C4DT) hat die EPFL nun ein auf der Blockchain-Technologie basierendes System für elektronische Abstimmungen entwickelt und eingesetzt. Als Weltpremiere bietet die Technologie der EPFL Garantien hinsichtlich kryptografischer Anonymität und dezentralisierter Überprüfung des Verfahrens.

«Mit der Anwendung unseres Fachwissens im Bereich der Dezentralisierungstechniken konnten wir die Attraktivität der elektronischen Abstimmung erhöhen, um auf die legitimen Bedürfnisse der Wählerinnen und Wähler sowie der Wahlbehörden einzugehen.»

Das vom EPFL-Labor für dezentralisierte und verteilte Systeme (DEDIS) entwickelte System wurde anlässlich der internen Wahlen der EPFL erfolgreich getestet. Konkret erlaubt es eine dezentralisierte Verwaltung der Abstimmungen und der Auszählung gemäss dem Blockchain-Grundsatz des «verteilten Vertrauens»: Statt den Prozess einer einzigen zentralen Stelle anzuvertrauen, sind von unterschiedlichen Organen unabhängig betriebene Geräte kollektiv dafür verantwortlich. Die Daten werden anonymisiert, das Ergebnis der Wahl ist transparent und leicht verifizierbar, und die Gültigkeit ist garantiert. Prof. Bryan Ford, der das DEDIS leitet, ist stolz auf den Beitrag seines Labors: «Mit der Anwendung unseres Fachwissens im Bereich der Dezentralisierungstechniken konnten wir die Attraktivität der elektronischen Abstimmung erhöhen, um auf die legitimen Bedürfnisse der Wählerinnen und Wähler sowie der Wahlbehörden einzugehen.»

Dieser Ansatz könnte sich in Zukunft im Fall von sensiblen Abstimmungen, bei denen oft der Verdacht von Unregelmässigkeiten geäussert wird, als wertvoll erweisen. Dank des verteilten Systems könnten sich Parteien, die einander nicht unbedingt vertrauen, nicht nur der Gültigkeit der Ergebnisse vergewissern, sondern auch aktiv an der Absicherung der Abstimmung teilnehmen. Olivier Crochat, Exekutivdirektor des C4DT, sieht darin ein leuchtendes Beispiel der Chancen, die das digitale Vertrauen bietet: «Heute müssen sich die Oppositionsparteien oder die Staatengemeinschaft bei umstrittenen Wahlen damit begnügen, Beobachter zu entsenden. Mit dem Wechsel zu einer elektronischen Abstimmung auf der Grundlage des dezentralisierten Ansatzes können die Daten von allen überprüft werden, und ausserdem kann der Beweis erbracht werden, dass nicht manipuliert wurde. Ausserdem kommt die an der EPFL entwickelte Technologie mit einer bescheidenen Infrastruktur aus und ist sehr einfach umzusetzen. Daher könnte sie für eine breite Palette von Abstimmungen eingesetzt werden.

Open-Source-Umfeld

Das Instrument für elektronische Abstimmungen wird eines der ersten vom Center for Digital Trust der EPFL auf seiner Plattform DTOP (Digital-Trust Open Platform) bereitgestellten Module sein. Diese dient dazu, Open-Source-Software verfügbar zu machen, um das Vertrauen in die digitale Welt dank der Technologie zu stärken. Dieses Ziel steht im Mittelpunkt der Gründung des EPFL Center for Digital Trust.

Das im Dezember 2017 von der EPFL bekannt gegebene C4DT ist eine Partnerschaft zwischen Forschung, Industrie, öffentlichem Sektor und Zivilgesellschaft. Ziel ist die Entwicklung digitaler Systeme für eine einfachere Interaktion zwischen politischen und gesellschaftlichen Institutionen sowie Schutz und Sicherheit in unterschiedlichen Bereichen wie Finanzen und Gesundheit, Aufrechterhaltung der Demokratie und der humanitären Hilfe dank Instrumenten für den Schutz der Privatsphäre, Kryptographie, Machine Learning und Blockchain.

Weitere Informationen unter https://c4dt.org/

Scrollen
Forschung | 40 artikel