Datenschutz dank künstlicher Intelligenz

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Welche Websites und Anwendungen nutzen Ihre Informationen, um sie weiterzuverkaufen? Ein Forscher der EPFL hat ein System entwickelt, mit dem Sie dies dank künstlicher Intelligenz in wenigen Sekunden erfahren.

Wie viele Internetnutzer lesen die Datenschutzerklärungen einer Website, bevor sie auf «Ich stimme zu» klicken? Die zu langen, komplexen und in einem unverständlichen juristischen Jargon abgefassten Texte bergen manchmal unangenehme Überraschungen hinsichtlich der Nutzung der Daten, die Sie offenlegen: von Ihrer IP-Adresse über Ihre Online-Präferenzen bis zu Ihrem Alter. Um den Nutzerinnen und Nutzern einen besseren Durchblick zu ermöglichen, setzte ein Team von Forscherinnen und Forschern der EPFL, der Universität Michigan und der Universität Wisconsin-Madison auf künstliche Intelligenz, um die Bestimmungen von Datenschutzerklärungen im Handumdrehen zu entschlüsseln. Der Polisis (Privacy Policy Analysis) genannte Assistent ist als kostenloses Add-on für Web-Browser (Chrome und Firefox) oder direkt über eine Webplattform verfügbar.

«Wir wollen in einfacher grafischer Form mit farbigen Darstellungen zeigen, wie Ihre Daten verwendet werden. Bestimmte Websites teilen Ihren Standort zu Marketingzwecken oder schützen das Privatleben der Kinder nicht richtig, und diese Informationen sind in den Datenschutzerklärungen oft gut versteckt.»

«Wir wollen in einfacher grafischer Form mit farbigen Darstellungen zeigen, wie Ihre Daten verwendet werden. Bestimmte Websites teilen Ihren Standort zu Marketingzwecken oder schützen das Privatleben der Kinder nicht richtig, und diese Informationen sind in den Datenschutzerklärungen oft gut versteckt», erklärt Hamza Harkous, Postdoktorand an der Fakultät für Computer und Kommunikationswissenschaften, der am Labor für verteilte Informationssysteme der EPFL arbeitet und Hauptautor dieser Arbeit ist.

Dank Machine Learning

Konkret nutzten die Forscherinnen und Forscher die künstliche Intelligenz zur Entschlüsselung von Datenschutzerklärungen, indem sie mehr als 130’000 solcher Texte im Internet analysierten. Polisis ist nun in der Lage, innerhalb weniger Sekunden einen vom Benutzer vorgelegten Text zu entschlüsseln, und zeigt das Ergebnis klar dargestellt an. So kann man auf einen Blick sehen, welche Daten zu welchem Zweck erhoben werden. Diese Information kann entscheidend sein, bevor man eine Anwendung herunterlädt. Polisis hilft auch bei den Möglichkeiten, den Austausch bestimmter Daten abzulehnen, und weist auf potenzielle Nachteile dieser Entscheidung hin.

 

Zu Polisis gehört ausserdem der Online-Assistent Pribot, dem (bisher nur auf Englisch) Fragen zu Datenschutzerklärungen gestellt werden können, zum Beispiel: «Werden meine Kreditkarteninformationen geteilt?» Pribot ist zwar nicht unfehlbar (und dient wie Polisis nur der Information, ohne Rechtskraft zu haben), gibt jedoch in 82% der Fälle die richtige Antwort unter den drei zuerst vorgeschlagenen. Ein hervorragendes Ergebnis, das Pribot und Polisis zu wertvollen Instrumenten nicht nur für Standardnutzer, sondern auch für Journalisten, Datenschutzorganisationen und Forscher machen könnte.

«Nutzer haben die Wahl»

In Zukunft könnte diese Arbeit auf weitere Bereiche wie den der vernetzten Gegenstände ausgedehnt werden, da die Beachtung der Privatsphäre ein wesentliches Kriterium beim Aufstellen eines vernetzten Gegenstandes im eigenen Haus ist. «Wir wollen den Leuten zeigen, dass sie die Wahl haben, und ihnen die Möglichkeit geben, eine Dienstleistung zu bewerten und sich gegebenenfalls für eine Alternative zu entscheiden», betont Hamza Harkous. Der Forscher hofft, in Zukunft ein Warnsystem, das die Nutzerinnen und Nutzer im Fall einer ungewöhnlichen Verwendung ihrer Daten informieren würde, entwickeln sowie eine Rangliste der verschiedenen Dienstleistungen oder vernetzten Objekte gemäss ihrer Datenschutzpolitik erstellen zu können.

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