Geomedizin für bessere Brustkrebsdiagnose

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Eine gemeinsame Studie des Genfer Universitätsspitals (HUG) und der EPFL hat gezeigt, dass in Genf ganze Stadtviertel nicht vom Brustkrebs-Screening erfasst werden. Wie lässt sich dies erklären?

In der Schweiz sterben jedes Jahr 1400 Frauen an den Folgen von Brustkrebs. 2018 waren rund 90’000 Personen erkrankt. Die Früherkennung bildet den Schlüssel zu einer besseren Bekämpfung von Brustkrebs. Bei den Präventionsmassnahmen sind die Frauen jedoch nicht gleichberechtigt, insbesondere je nach dem Stadtviertel, in dem sie wohnen.

«Die Studie gelangt zum Schluss, dass 12% der befragten Frauen nie eine Mammografie durchgeführt haben und dass die meisten von ihnen in den gleichen Stadtvierteln wohnen.»

So lautet die Schlussfolgerung einer vom Genfer Universitätsspital (HUG) und der EPFL durchgeführten Studie mit 5002 Genferinnen im Alter von 50 bis 74 Jahren. Durch die Kombination von Medizin und Raumanalyse erstellten die Forscherinnen und Forscher eine Karte, die die geografische Abhängigkeit der Teilnahme am Screening-Programm des Kantons Genf aufzeigt. Diese Karte konnte dank eines im Rahmen der HUG-Studie «Bus Santé» erhobenen Datensatzes über diese Frauen mit Angaben wie Wohnort, Einkommen und Ausbildungsniveau erstellt werden.

Die Studie gelangt zum Schluss, dass 12% der befragten Frauen nie eine Mammografie durchgeführt haben und dass die meisten von ihnen in den gleichen Stadtvierteln wohnen. Die Karte zeigt also, dass bestimmte Teile der Stadt wahrscheinlich schon seit Jahren nicht vom systematischen Brustkrebs-Screening erfasst werden.

 

Gezieltere Prävention

Mit der Studie sollen die Brustkrebspräventionseinrichtungen ihre Kampagne zielgerichteter gestalten können. Die Forschung ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Idris Guessous, Chefarzt der Abteilung Notfallmedizin am Genfer Universitätsspital (HUG), und Stéphane Joost, wissenschaftlicher Mitarbeiter am EPFL-Labor für Systeme geografischer Informationen (LASIG), die beide korrespondierende Autoren des kürzlich in der Fachzeitschrift Cancer Medicine erschienenen Artikels sind.

Das rechte Genferseeufer, das Stadtzentrum, Meyrin, Onex und das Quartier Jonction erscheinen als die Gebiete, in denen die Frauen am wenigsten häufig zum Mammografie-Screening gehen. Die Forscherinnen und Forscher vermuten sozioökonomische Ursachen für diese Ungleichbehandlung. Diese Stadtviertel sind wirtschaftlich schwächer als das linke Genferseeufer der Stadt, und ihre Bewohnerinnen besitzen einen niedrigeren Bildungsstand. Die Studie legt auch einen Nachahmungseffekt unter den Frauen offen: Sie beeinflussen sich selber gemäss ihrer geografischen Nähe. Die Entfernung von einem Mammografiezentrum, die von den Forscherinnen und Forschern ebenfalls analysiert wurde, erklärt im übrigen die Nichtteilnahme am Screening-Programm nicht.

Frühere Untersuchungen

Idris Guessous und Stéphane Joost haben das GIRAPH Lab (Geographic Information Research and Analysis in Population Health) gegründet, das sich mit der Verarbeitung von Umwelt-, Raum- und Gesundheitsdaten befasst, um Lösungen für die Ursachen und Mechanismen von Erkrankungen, hauptsächlich im städtischen Umfeld, zu bieten. Eine 2016 in der Fachzeitschrift British Medical Journal Open erschienene, frühere gemeinsame Studie über die räumliche Abhängigkeit des Body Mass Index in Lausanne sowie eine im Juni 2018 im International Journal of Hygiene and Environmental Health veröffentlichte Studie über die Qualität des Schlafs der Lausannerinnen und Lausanner nutzten das gleiche Analyseprinzip wie die aktuelle Forschungsarbeit.

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