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Bessere Bedingungen für weibliche Lehrkräfte

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Ein Bericht über die Situation der weiblichen Lehrkräfte an der EPFL zeigt die Herausforderungen auf, mit denen Professorinnen konfrontiert sind, enthält aber vor allem auch Empfehlungen.

Die 2018 vom ETH Women Professors Forum durchgeführte Umfrage bei den weiblichen Lehrkräften der EPFL und der ETH Zürich zeigt eine Untervertretung der Professorinnen sowie zahlreiche ähnliche, geschlechtsbedingte Herausforderungen auf. Gestützt auf diese Ergebnisse hat das Präsidium der EPFL die Einsetzung eines von Prof. Rizlan Bernier-Latmani geleiteten Ausschusses angeregt, um die Situation der Professorinnen an der Hochschule zu evaluieren.

« Das Grundproblem ist, dass Frauen nicht dem stereotypen Bild des Professors entsprechen und deshalb Opfer einer impliziten Voreingenommenheit sind. »

Im Juli 2020 veröffentlichte der Ausschuss seinen Bericht. Darin werden die wichtigsten Aspekte und Probleme beschrieben, mit denen weibliche Lehrkräfte konfrontiert sind: Zugehörigkeit zu einer Minderheit, Untervertretung in den höheren Funktionen, Gleichgewicht zwischen Privat- und Berufsleben sowie feindselige Einstellung gegenüber Professorinnen.

Implizite Voreingenommenheit

«Das Grundproblem ist, dass Frauen nicht dem stereotypen Bild des Professors entsprechen und deshalb Opfer einer impliziten Voreingenommenheit sind», erklärt Rizlan Bernier-Latmani. Diese Wahrnehmung könnte am einfachsten zum Verschwinden gebracht werden, wenn der Anteil Professorinnen erhöht würde. Wenn sie genügend zahlreich wären, würden sie keine Ausnahme mehr darstellen.»

Der rund 100 Seiten starke Bericht behandelt auf der Grundlage einer quantitativen Erhebung Fragen wie Löhne, Mittelzuweisung, Gleichgewicht von Privat- und Berufsleben sowie Gleichstellung in Sachen Vertretung, Einstellungen, Beförderungen und Integration. Ausserdem enthält er Interviews und Gruppendiskussionen mit weiblichen und männlichen Mitgliedern des Lehrkörpers.

Empfohlene Massnahmen

Wichtiger noch: Der Bericht enthält eine Liste mit 16 vom Ausschuss empfohlenen Massnahmen, dank denen die Stellung der Frauen an der EPFL verbessert werden soll. Beim Gleichgewicht zwischen Privat- und Berufsleben umfassen die Empfehlungen beispielsweise einen einfacheren Zugang zu Kinderbetreuungseinrichtungen, eine Unterrichtshilfe bei Mutterschaft sowie einen Stillstand des Tenure-Track-Countdowns für den Partner der frisch gebackenen Mutter. Der Ausschuss unterstützt ausserdem dezidiert weitere, bereits laufende Massnahmen wie die Neugestaltung der Streitbeilegungsverfahren sowie Ausbildungskurse für Assistenzprofessoren Tenure Track (PATT), damit sie Kompetenzen in den Bereichen Management und Gruppenleitung erwerben können.

«Der Bericht ist das Ergebnis einer sorgfältigen Untersuchung. Er kann ab sofort als Grundlage für eine Reihe von Massnahmen dienen, um diese Probleme erfolgreich zu lösen», meint Rizlan Bernier-Latmani abschliessend.

Für EPFL-Präsident Martin Vetterli kommt der von ihm auf Anregung von Professorinnen in Auftrag gegebene Bericht «genau zur richtigen Zeit». «Die darin enthaltenen Schlussfolgerungen und Empfehlungen werden dem neuen Vizepräsidium für eine verantwortungsvolle Transformation, bei der auch das Thema Diversität eine Schlüsselaufgabe darstellt, als Inspirationsquelle dienen. Ich bin sehr dankbar für das Engagement der Lehrkräfte zugunsten von Verbesserungen auf unserem Campus und für die hervorragende Arbeit bei diesem für die EPFL bedeutenden Thema.»

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