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COVID-19: Schrittweise Rückkehr auf den Campus

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Der Campus musste wegen der COVID-19-Pandemie geschlossen werden. Nach sieben Wochen fast völligen Stillstands wurden die Aktivitäten in Lausanne und an den anderen EPFL-Standorten langsam wieder aufgenommen. Nun wird das Leben von strengen Gesundheitsauflagen bestimmt.

Noch nie in ihrer 51-jährigen Geschichte musste die EPFL alle Hörsäle für die Studierenden sperren, alle Büros leeren, praktisch alle Forschungsinfrastrukturen lahmlegen, sämtliche Veranstaltungen absagen und alle Verpflegungsbetriebe schliessen – zumindest nie gleichzeitig und nie für so lange: 51 Tage vom 13. März 2020 bis am 4. Mai 2020. Alles musste sofort geschlossen werden.

Dann wurden die Forschungsarbeiten nach und nach wieder aufgenommen, aber es fanden keine Vorlesungen für die Studierenden statt. In dieser Anlaufphase durften nur Gruppen, die Infrastrukturen für Experimente brauchten, zurückkehren. Dafür mussten sie eine Präsenzplanung erstellen, damit zu Beginn nur rund 35 % des üblichen Personalbestands anwesend war. In den Laboren, in denen normalerweise eng nebeneinander gearbeitet wird, ging man sich nun aus dem Weg. Die Teams wurden in zwei streng getrennte Gruppen eingeteilt, um das Risiko gegenseitiger Ansteckungen zu reduzieren und im schlimmsten Fall zu verhindern, dass das ganze Labor unter Quarantäne gestellt werden muss.

«In der ersten Betriebswoche des Labors durften wir nur zur zweit gleichzeitig anwesend sein. In der zweiten Woche waren acht Personen erlaubt. In der Regel sind wir rund 20», erzählt Andrada Muntean, Doktorandin am Labor für Quantenarchitektur des Neuenburger Standorts Microcity. «Ich bin zweimal hingegangen und war ganz allein. Das war seltsam. Alles war ruhig. Ich konnte mit niemandem sprechen.»

«Für die Forscherinnen und Forscher, die es gewohnt sind, Informationen mit ihren Kolleginnen und Kollegen auszutauschen, sind diese Einschränkungen einschneidend», sagt Sandrine Gerber, stellvertretende Leiterin des Instituts für Chemie und Chemieingenieurwissenschaften (ISIC). In ihrem Labor mit rund zehn Personen wird mehrere Tage in Folge gearbeitet und dann ebenso lange pausiert, während in anderen Laboren ein Halbtagesbetrieb herrscht. «Ein fünfköpfiges Team ist von 7 bis 13 Uhr und ein anderes von 14 bis 21 Uhr vor Ort», erklärt Francisco Sarmento Mesquita, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung von Gisou Van Der Goot. So können wir sechs Stunden lang intensiv arbeiten und die Kolleginnen und Kollegen setzen unsere Arbeit fort, während wir zu Hause am Computer sitzen, und umgekehrt. So sind wir sehr effizient.»

Im Labor von Prof. Auwerx herrscht Einbahnverkehr. © EPFL 2020 / Alain Herzog

Kontrollierte Plattformen

«Wir haben die Regeln für die Lockdown-Lockerungen für jedes Labor angepasst», sagt SV-Dekanin Gisou van der Goot. Wir haben die Richtlinien interpretiert und an die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Labore unter Aufrechterhaltung der notwendigen Sicherheit angepasst. In diesen schwierigen Zeiten müssen wir zeigen, dass wir ihre besonderen Bedürfnisse berücksichtigen.»

Neben den Laboren musste auch der Betrieb der Technologieplattformen für die gemeinsame Nutzung von Hightech-Anlagen in der Wiederanlaufphase überdacht werden. Dies gilt beispielsweise für das EPFL-Zentrum für Mikronanotechnologie (CMi), das rund um die Uhr und an sieben Tagen die Woche mehr als 500 Nutzerinnen und Nutzer bedient, unter denen sich 20 % Start-ups und ein Drittel der Hochschullabore befinden. Dieses System ist aber nur bis am 16. März in Kraft, denn jetzt genügen Maske, Handschuhe und Schutzanzug nicht mehr, um einen Reinraum zu betreten. Die Gesundheitsvorschriften sind 14 Seiten lang, und das Prozedere beim Betreten des Gebäudes umfasst neun und beim Verlassen acht Punkte. Die Nutzungszeiten wurden reduziert und die Vorräte an Einmalhandschuhen und Desinfektionsmittel erhöht.

« Wir haben die Regeln für die Lockdown-Lockerungen für jedes Labor angepasst. Wir haben die Richtlinien interpretiert und an die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Labore unter Aufrechterhaltung der notwendigen Sicherheit angepasst. »

Vor allem aber durften die Schutzanzüge nicht mehr geteilt werden, wodurch sich die Anzahl Nutzerinnen und Nutzer entsprechend verringerte. In diesen Zeiten mit hohen Anforderungen an die Hygiene sind solche Artikel nämlich nur schwer zu beschaffen. Die Folge: «In der ersten Woche war die Anzahl Personen auf 50 beschränkt», erklärt CMi-Betriebsleiter Philippe Flückiger. «Später waren es dann 100 gemäss der Nutzung in den letzten sechs Monaten ausgewählte Personen. Wir haben die Krise zum Anlass genommen, unsere Arbeitsweise zu überdenken», sagt Philippe Flückiger abschliessend. Er hofft, langfristig wieder die gesamte Nachfrage abdecken zu können.

Vollständige Neuorganisation

«Die Analyseplattformen des ISIC und insbesondre die Kernspinresonanzanlage wird von 350 Personen über 22 frei zugängliche Instrumente genutzt. Diese führen rund um die Uhr und an sieben Tagen die Woche über 100 000 Analysen pro Jahr durch», erklärt Sandrine Gerber. «Wir mussten alles umorganisieren.» In einem der Räume dieser Anlage im Gebäude BCH haben die Schutzmassnahmen zur Folge, dass der Zutritt für die Nutzerinnen und Nutzer schlicht und ergreifend verboten wurde. Alle Proben werden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entgegengenommen. Trotz der geringeren Anzahl Forscherinnen und Forscher beträgt die Wartezeit bei jedem der drei Spektrometer im Durchschnitt zwei Stunden. Das Protokoll ist streng: Die Probe mit dem Analysegesuch muss am Eingang an der entsprechend gekennzeichneten Stelle hinterlegt werden. Die Ergebnisse werden in einem Ordner namens «Covid19» auf dem Server bereitgestellt.»

(Im Mai 2020 verfasst)

Patrick achtet im CMi auf die Sicherheit von Anlagen und Personen. © EPFL 2020 / Alain Herzog

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