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Edward Snowden spricht über Meinungsäusserungsfreiheit und Privatsphäre

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Am Montag, dem 27. Januar 2020 erhielt der Cybersicherheitsexperte und Whistleblower Edward Snowden eine Standing Ovation im bis auf den letzten Platz gefüllten Auditorium des SwissTech Convention Center auf dem EPFL-Campus, wo er per Videokonferenz im Rahmen der vierten Ausgabe der Applied Machine Learning Days (AMLD) einen Vortrag hielt.

Edward Snowden, der ehemalige Kadermitarbeiter der Geheimdienste CIA und NSA, der heute als Berater arbeitet, war aus Moskau zugeschaltet, wo er angesichts der Strafverfolgung durch die amerikanische Regierung um Asyl ersucht hat. Zuvor hatte er 2013 geheime Informationen über die Massenüberwachung durch die NSA offengelegt. Der Titel seines Vortrags lautete zwar «Die Überwachung im Zeitalter der künstlichen Intelligenz», aber seine bewegende Botschaft berührte auch die Themen Meinungsäusserungsfreiheit, Menschenrechte, Demokratie und Schutz der Privatsphäre online.

Ein Problem der Datensammlung

Snowden begann mit einem Auszug aus seinem Buch Permanent Record (Metropolitan Books, 2019), in dem er die Datensammelwut und den «Überwachungskapitalismus» beschreibt, die den «Pioniergeist» des frühen Internets erstickt haben. Dies war denn auch der Grund für ihn, aus dem Schatten zu treten. Er kritisierte die heutigen Rechtsinstrumente wie die DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) als ineffizient und zeigte anhand von Beispielen, wie Unternehmen wie Facebook diese Regeln völlig ungestraft umgehen.

«Das Problem bei der DSGVO ist ihr Name: Wir haben kein Problem mit dem Datenschutz, sondern mit der Datenerhebung. Die Zustimmung gehört zu den Fragen, mit denen wir am häufigsten konfrontiert werden.» Zu den Herausforderungen im Zusammenhang mit der Anonymisierung kommt seiner Meinung nach die Dauerhaftigkeit der digitalen Daten, die an sich eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt. «Wir haben Angst, Kritik zu äussern, weil wir befürchten, dass dies für immer aufgezeichnet wird.»

« Eine der wichtigsten Bedingungen, die Verletzungen der Privatsphäre möglich machen, ist die Unsichtbarkeit der Netzwerkverbindungen. Wir müssen diese Dinge sicht- und kontrollierbar machen. »

Im Rahmen eines Dialogs mit AMLD-Mitorganisator Marcel Salathé, Professor an der Fakultät für Computer- und Kommunikationswissenschaften und an der Fakultät für Life Sciences der EPFL, beantwortete Snowden die Gretchenfrage: Was können wir tun, um unsere Privatsphäre im Zeitalter der Überwachung zu schützen?

«Jeder, der die Technologie nutzt, muss die grundlegenden Funktionsprinzipien eines Netzwerks verstehen», lautete seine Antwort. «Wie tätigt Ihr Smartphone einen Anruf? «Wie findet Ihr Computer eine Website? Eine der wichtigsten Bedingungen, die Verletzungen der Privatsphäre möglich machen, ist die Unsichtbarkeit der Netzwerkverbindungen. Wir müssen diese Dinge sicht- und kontrollierbar machen.»

AMLD weltweit

«Wir wollen die AMLD international machen. Wir wollen sie aber auch auf weitere Universitäten in aller Welt ausdehnen, die sie an ihre Bedürfnisse anpassen könnten», sagt Marcel Salathé. Neben einem weltweiten Konferenznetzwerk hoffen die AMLD-Organisatoren auch auf eine Erweiterung der schweizerischen Konferenz, die weiterhin an der EPFL stattfinden wird.

«Wir führen Gespräche mit der Stadt Lausanne, um parallel zur Hauptkonferenz mehrere Nebenveranstaltungen durchzuführen. Wir könnten uns für die Zukunft sogar Ableger in der gesamten Genferseeregion vorstellen.»

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