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Forscherinnen und Forscher haben ein Videospiel zu den Auswirkungen des Lockdowns entwickelt.

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Mithilfe eines von Forscherinnen und Forschern sowie Studierenden am Collège des Humanités (CdH) und am UNIL Gamelab in Zusammenarbeit mit der Initiative für Medieninnovation (IMI) und der Zeitung Le Temps entwickelten Videospiels können die Nutzerinnen und Nutzer eine Reihe von Situationen digital erkunden, die aufgrund des pandemiebedingten Lockdowns entstanden sind.

Würden Sie Ihre Kinder im Park spielen lassen? Wären Sie im Fernunterricht konzentriert? Wen rufen Sie an, um sich während des Lockdowns light die Zeit zu vertreiben? Auf der ganzen Welt waren Menschen mit diesen und vielen weiteren Fragen konfrontiert, denn das Abstandhalten und der Lockdown sind zu wichtigen Strategien im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie geworden.

Für Yannick Rochat, Wissenschaftler am CDH und Forscher am UNIL Gamelab sowie Experte für die Erforschung von Spielen und für Digital Humanities, schien ein Videospiel in Erzählform ein natürliches Mittel zur Beantwortung dieser Fragen zu sein. Ausserdem wollte er verstehen, welche Schwierigkeiten unterschiedliche Menschen bei der Auseinandersetzung mit diesen Problemen hatten.

«Videospiele können Informationen genauso gut wie Gefühle vermitteln. Bei diesem Spiel geht es darum, einen Erfahrungsbericht über diese Zeit unserer Geschichte zu erhalten, von der wir alle betroffen sind.»

«Videospiele können Informationen genauso gut wie Gefühle vermitteln. Bei diesem Spiel geht es darum, einen Erfahrungsbericht über diese Zeit unserer Geschichte zu erhalten, von der wir alle betroffen sind. Für eine Zeitung wie Le Temps und einen Forscher wie mich ist es wichtig, diese Erfahrungen zu dokumentieren und zu protokollieren», erklärt er.

Yannick Rochat und ein Team von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den Bereichen Videospiele, Programmierung und Grafik haben «Quatre apparts et un confinement» entworfen. Dabei handelt es sich um eine Reihe von vom Benutzer ausgewählten, interaktiven Geschichten und Abenteuern, die das Leben von vier fiktiven Nachbarn im selben Gebäude in Szene setzen.

Lockdown aus unterschiedlichen Perspektiven

Das Spiel wurde im Juni und Juli 2020 dank der (virtuellen) Zusammenarbeit des IMI-Direktors Mounir Krichane, des Journalisten Paul Ronga von Le Temps, des Grafikers Mathias Hängärtner, des EPFL-Studenten Andrew Dobis und der UNIL-Studentin Saara Jones entworfen. Es ist auf der Website und über die mobile App von Le Temps verfügbar.

Die Nutzerinnen und Nutzer können auf die digitalen Wohnungen klicken, alle Personen besuchen und kurz an ihrem Leben teilnehmen: ihren Entscheidungen, ihren Sorgen, ihren Wünschen und ihren Enttäuschungen. Bestimmte Erfahrungen mögen den Nutzerinnen und Nutzern bekannt vorkommen, während andere eine neue Sichtweise auf das bieten, was andere während des Lockdowns empfinden.

«Mit diesem Videospiel können wir die Geschichte des Lockdowns unter verschiedenen Gesichtspunkten erzählen und die Spielerinnen und Spieler teilhaben lassen. Dadurch entsteht eine wichtige Möglichkeit, den Lockdown noch einmal zu erleben, jedoch mit den Augen einer anderen Person – zum Beispiel einer alleinerziehenden Mutter, einer älteren Frau oder eines Studenten», erklärt Yannick Rochat. Das für mobile Geräte geeignete «Point-and-click»-Format ist teilweise Videospielen in Erzählform wie Florence nachempfunden, aber aufgrund des Texts und des Dialogs komplexer.

IMI-Leiter Mounir Krichane erklärt ausserdem, dass «Quatre apparts et un confinement» neben dem Bildungsaspekt, der das pädagogische Angebot von EPFL und UNIL bei den Videospielen widerspiegelt, auch ein Mittel für das IMI und seine Partner darstellt, neue Erzählmethoden einschliesslich interaktiver Formate zu erkunden.

Die Erfinder betonen ferner, dass andere Medien und Institutionen dank des Open-Source-Codes eingeladen sind, über die einzigartige Spielerfahrung zu berichten oder sie beispielsweise an andere Sprachen anzupassen.

Szenen aus «Quatre apparts et un confinement» © Mathias Hängärtner

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