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Bedarfsgerechte Technologien für die Länder des Südens

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Tech4dev ist ein Programm, das Kontakte zwischen Forscherinnen und Forschern der EPFL und Nichtregierungsorganisationen herstellen will, um speziell auf die Bedingungen und Bedürfnisse von Entwicklungsländern zugeschnittene Technologien zu erarbeiten. Nun wurden die ersten vier Projekte ausgewählt.

In Industrie- und Entwicklungsländern herrschen unterschiedliche klimatische, wirtschaftliche und strukturelle Bedingungen. Folglich muss auch die Technologie unterschiedlich sein. Deshalb hat das EPFL-Vizepräsidium für Innovation das aus Tech4impact gemeinsam mit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) entstandene Programm Tech4Dev ins Leben gerufen. Damit sollen Kontakte zwischen Forscherinnen und Forschern der Hochschule und Nichtregierungsorganisationen (NGO) für die Entwicklung und Umsetzung konkreter Projekte in Entwicklungsländern hergestellt werden. Tech4Dev konzentriert sich auf die Beschleunigung von Innovationen, will Forschung betreiben und innovative technologische Lösungen mit hohem Potenzial erfolgreich umsetzen, um immer mehr Begünstigte in den Ländern des Südens zu erreichen.

Nun wurden die ersten vier ausgewählten Projekte bekannt gegeben. Darunter befindet sich ein Verfahren zur Herstellung von Schutzplanen aus Biomasse, ein Brennstoff auf Wasserstoffbasis für nachhaltiges Kochen, ein hoch widerstandsfähiger Brutkasten für Säuglinge und ein 3-D-Drucker für die Herstellung von Hilfsmitteln für Behinderte aus Plastikabfällen.

«Jedes wird zwei Jahre lang mit maximal CHF 300 000 unterstützt, wovon mindestens 40 % im Zielgebiet investiert werden müssen.»

Diese Projekte wurden im Anschluss an eine im Dezember 2019 durchgeführte Ausschreibung für die Entwicklung technologischer Lösungen in Bereichen wie Gesundheit, Verkehr, Sicherheit, Energie, Umwelt, Katastrophenbewältigung etc. von einem internationalen Expertengremium ausgewählt. Jedes wird zwei Jahre lang mit maximal CHF 300 000 unterstützt, wovon mindestens 40 % im Zielgebiet investiert werden müssen.

«Mit diesem Programm sollen hauptsächlich die aus der Hochschule hervorgegangenen Innovationen aufgewertet sowie so schnell wie möglich konkrete und wirksame praktische Anwendungen gefunden werden», erklärt Beatrice Scarioni, eine der Verantwortlichen des Programms Tech4Dev.

Die vier Projekte

Planen aus Pflanzenabfällen

Die Plastikplanen sind vielseitig verwendbar, u. a. als Schutzunterstand bei Naturkatastrophen und humanitären Krisen. Einem Team des Labors für nachhaltige und katalytische Verfahren ist es gelungen, eine Technologie zu entwickeln, mit der traditionell ungenutzte Landwirtschaftsabfälle in eine Art vollständig biologischen und biologisch abbaubaren Polyester umgewandelt werden können. Um diese Erfindung im Rahmen des Projekts zu testen, wird Biomasse aus Bangladesch gesammelt, in ein Granulat verwandelt, versponnen und dann für die Herstellung der Planen verwendet. Die Umsetzung erfolgt in Partnerschaft mit der NGO Medair.

Nachhaltiger Brennstoff zum Kochen

Kochen benötigt viel Energie. Diese stammt heute noch weitgehend aus nicht nachhaltigen Quellen wie Kohle, Holz, Biomasse oder Tierdung. Diese Rohstoffe sind umweltbelastend und setzen Treibhausgase frei. Forscherinnen und Forscher am Labor für Wissenschaft und Ingenieurwesen im Bereich erneuerbare Energien haben die Möglichkeit untersucht, stattdessen einen Brennstoff zu verwenden, der auf mithilfe von Sonnenenergie hergestelltem Wasserstoff basiert. Ziel des gemeinsam mit der Universität Yaoundé in Kamerun durchgeführten Projekts ist der Aufbau eines Herstellungs- und Vertriebssystems mit einer Produktionsanlage und Lagerungsmöglichkeiten sowie die Ausrüstung der Haushalte mit wasserstoffbetriebenen Kochherden. Beim Verbrennen von Wasserstoff entsteht ausserdem noch Trinkwasser.

Planen aus Pflanzenabfällen

Robusterer Brutkasten für Afrika

Jedes Jahr sterben vor allem in Entwicklungsländern mehr als eine Million Säuglinge im ersten Lebensmonat an Unterkühlung. Deshalb hat das EPFL-Zentrum Essential Tech, das sich mit der Entwicklung von Technologien für den Süden befasst, einen speziell auf die Bedürfnisse dieser Regionen zugeschnittenen Brutkasten gebaut. Dieser ist besonders robust und wartungsarm und funktioniert auch bei Stromschwankungen und ‑ausfällen, in feuchtem und heissem Klima und bei hohen Staubkonzentrationen. Das Projekt wird zusammen mit dem Center for Public Health and Development (CPHD) durchgeführt, das technologische Lösungen nach Ostafrika bringen will.

Hilfsmittel für Behinderte drucken

Abfallbewirtschaftung und ‑Recycling mit grösstem sozialem Nutzen verbinden: Das ist das Ziel des Projekts «3D printing for peace». Das von Forscherinnen und Forschern des Labors für die Behandlung fortgeschrittener Verbundstoffe durchgeführte Vorhaben besteht darin, ein System von 3-D-Druckern bereitzustellen, bei dem Plastikabfälle genutzt werden, um Hilfsmittel für Behinderte zu fertigen. Mit dem für Kolumbien bestimmten Programm sollen auch kleine Unternehmen gegründet und Arbeitsplätze geschaffen werden. Es wird mit dem Omnis Institute, einer NGO zur Förderung und Unterstützung lokaler Führungskräfte mit besonderem Schwerpunkt auf der Frauen- und Jugendförderung, durchgeführt.

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