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Energiewende: Spin-off beschafft 1,75 Millionen Franken

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Mit der an der EPFL in Freiburg entwickelten Methode lässt sich der Lebenszyklus von Gebäuden einfacher analysieren. Das beschaffte Kapital soll die Markteinführung der Lösungen des französischen Start-ups beschleunigen.

Allein der Bausektor ist für 39 % der gesamten CO2-Emissionen verantwortlich. Dieser hohe Wert zeigt, wie dringlich eine Senkung der CO2-Bilanz in diesem Bereich ist. Dank einer an der EPFL entwickelten Technologie mit fächerübergreifendem Ansatz können Ingenieure die Energieeigenschaften von Gebäuden ab dem ersten Planungsstadium beurteilen. Ihr Erfinder Thomas Jusselme verteidigte seine Doktorarbeit im März 2020 und war 2015 einer der Gründer des französischen Start-ups Vizcab. Dieses hat vor Kurzem 1,75 Millionen Franken Kapital beschafft. «Mit diesen neuen Finanzmitteln können wir die Einführung unserer Tools auf dem französischen Markt ankurbeln», sagt Thomas Jusselme erfreut.

«Über eine Web-Anwendung haben die Spezialisten Zugang zu einem durch Zehntausende von Simulationen gespeisten Modul für die Erkundung von Bauhypothesen, bei denen verschiedene Varianten (Art der Heizung, der Verglasung oder der Isolierung) berücksichtigt werden.»

An der Schnittstelle von digitaler und ökologischer Wende

Mit der patentierten Methode lässt sich die Analyse des Lebenszyklus von Gebäuden ab dem ersten Planungsstadium vereinfachen. «Unser Start-up liegt an der Schnittstelle zweier grosser Umbrüche: der digitalen und der ökologischen Wende», erklärt Thomas Jusselme. Konkret funktioniert es so: Über eine Web-Anwendung haben die Spezialisten Zugang zu einem durch Zehntausende von Simulationen gespeisten Modul für die Erkundung von Bauhypothesen, bei denen verschiedene Varianten (Art der Heizung, der Verglasung oder der Isolierung) berücksichtigt werden. Mit einer solchen Datenbank erfährt man schon früh im Planungsprozess, was zu tun ist, um die festgelegten Ziele zu erreichen. Das ist eine echte Innovation, weil die ökologischen Auswirkungen eines Gebäudes bisher erst nach der Planung berechnet werden konnten.

Fächerübergreifender Ansatz

Bei der im Smart Living Lab in Freiburg von der Forschungsgruppe Building2050 genutzten Methode wird ein fächerübergreifender Ansatz verfolgt, der sowohl die Gebäudephysik als auch die Umweltwissenschaften, den Maschinenbau, die Datenwissenschaften, die Statistik und die Datenvisualisierung umfasst. Dieses fächerübergreifende Arbeiten gehört zur DNA des Smart Living Lab. «Building2050 und die zahlreichen Kontakte zu meinen Kolleginnen und Kollegen in diesem Rahmen waren entscheidend für die Entwicklung dieser Technologie. Das Umfeld hat zu ihrer Entstehung beigetragen», betont Thomas Jusselme. Der erste Prototyp wurde insbesondere durch die Zusammenarbeit mit den EPFL-Laboren LIPID und LAST, dem EPFL+ECAL Lab und dem Institut Human-IST der UNIFR unterstützt.

Klimaneutralität 2050

Während sich die Europäische Union im Rahmen ihres «Green Deal» zum Ziel gesetzt hat, bis im Jahr 2050 klimaneutral zu sein, wird der Bedarf an Lösungen wie der von Vizcab steigen. «Neue Vorschriften sind eine gute Gelegenheit für Start-ups, Lösungen zu entwickeln, die das Leben der diesen Regeln unterstellten Unternehmen vereinfachen», sagt Frédéric Pont. In einem solchen Umfeld sind die Chancen gross, dass die Anzahl Nutzerinnen und Nutzer der Vizcab-Plattform in den kommenden Jahren in die Höhe schnellen wird.

Als Verantwortlicher für den Technologietransfer an der EPFL freut sich Frédéric Pont, dass sich immer mehr aus den Laboren stammende Technologien mit Auswirkungen auf Gesellschaft und Industrie entwickeln. «Jedes Mal, wenn ein Start-up, das EPFL-Technologien lizenziert, Kapital beschaffen kann, ist das sehr positiv. Im aktuellen Zusammenhang mit der Gesundheits- und Wirtschaftskrise aufgrund von COVID-19 gilt dies umso mehr.»

Das Team des Start-ups © 2020 Vizcab

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