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Nachhaltigkeit von Studentenpraktika durch Label garantiert

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Unternehmen, die den Master-Studierenden der EPFL Praktika anbieten, können ab jetzt eine Zertifizierung beantragen. Diese gewährleistet, dass die angestrebten Ziele oder Technologien umweltverträglich sind.

Die Minimierung der Auswirkungen unserer Tätigkeiten auf Umwelt und Klima ist ein absolutes Muss und nun auch ein zunehmend wichtiges Anliegen der Bevölkerung. Das gilt auch für viele EPFL-Studierende. Seit Beginn des Studienjahrs 2020 gibt ein Label an, ob die ihnen angebotenen Unternehmenspraktika strengen Nachhaltigkeitskriterien entsprechen.

Alle Master-Studierenden müssen je nach Studienrichtung ein zwei- bis sechsmonatiges Unternehmenspraktikum absolvieren. Dieses Programm wurde vor nunmehr zehn Jahren ins Leben gerufen, damit die Studierenden zusätzlich zur theoretischen und praktischen Ausbildung an der Hochschule ihre beruflichen Fähigkeiten entwickeln können. Jedes Jahr bieten Hunderte Unternehmen auf einer speziellen Plattform Praktikumsthemen an. 2018/2019 posteten über 1100 Unternehmen rund 3000 Inserate, von denen 1285 Studierende profitieren konnten. Mehr als 70 % dieser Praktika finden in der Schweiz statt, der Rest hauptsächlich in Frankreich, den USA, Deutschland, England und Belgien.

Dann kam das Jahr 2019 mit der starken Mobilisierung junger Menschen, die um ihre Zukunft bangen, zahlreichen Kundgebungen und dem Erfolg von Greta Thunberg, was zur Bildung eines allgemeinen Bewusstseins um die klimatischen und ökologischen Herausforderungen führte. Die Hochschulleitung engagierte sich ebenfalls und entwickelte eine neue Strategie. Ausserdem beauftragte sie eine Taskforce mit der Erstellung des Aktionsplans Klima 2030 zu den Themen Lehre, Forschung, Innovation und Campusbetrieb.

« Die Praktikumsbeschreibung muss mit soliden Argumenten untermauert werden und die Nachhaltigkeitsziele kohärent aufzeigen. So kann die Industrie auch dazu gebracht werden, Umweltaspekte ernster zu nehmen. »

In diesem Zusammenhang entstand auch die Idee einer Nachhaltigkeitszertifizierung für Unternehmenspraktika. So wird den Unternehmen seit dem Sommer 2020 eine neue Funktion angeboten. Sie können nun einen Antrag auf Erteilung eines Labels für das angebotene Praktikum stellen. Dieses gewährleistet, dass die angestrebten Ziele oder Technologien umweltfreundlich sind oder eine Entwicklung zur Bewahrung der Umwelt in Gang setzen. Dabei kann es sich beispielsweise um ein Modell für eine optimierte Gebäudenutzung zur Senkung des Energieverbrauchs, die Messung des Solarenergiepotenzials einer Fernwärmeanlage zur Reduktion der Nutzung fossiler Brennstoffe oder die Prüfung der Entwicklung eines Instruments handeln, mit dem Unternehmen die Auswirkungen ihrer Tätigkeit auf die Umwelt messen können.

Aus Gewohnheit grün denken

Die Unternehmen, die sich um das Label bewerben, müssen einen auf den Zielen für eine nachhaltige Entwicklung (SDG) der Vereinten Nationen basierenden, überarbeiteten und an die Profile von Ingenieuren angepassten Fragebogen ausfüllen. Die Antworten werden anschliessend von der an der Hochschule zur Beschleunigung und Förderung innovativer und nachhaltiger technologischer Lösungen eingerichteten Plattform Tech4Impact bewertet und bestätigt.

Nach der Vergabe des Labels erhält das Praktikumsangebot in der für die Studierenden einsehbaren Liste ein Siegel. Es handelt sich um einen leicht zu erkennenden farbigen Kreis als Symbol der SDG.

«Wir wollen diese Praktika auch aufwerten und sichtbarer machen, damit die Unternehmen grünere Optionen anbieten und die Studierenden diese auch wählen», sagt Catherine Marselli Pasquier, Koordinatorin des Praktikumsprogramms. «Dies entspricht auch der von der EPFL verfolgten Strategie in Sachen Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung.»

Kein Greenwashing

Um die Gefahr des Greenwashing zu vermeiden, müssen die Unternehmen, die sich um das Label bewerben, vollständige und anschliessend von Experten überprüfte Angaben machen. «Die Praktikumsbeschreibung muss mit soliden Argumenten untermauert werden und die Nachhaltigkeitsziele kohärent aufzeigen», erklärt Davor Kosanic, Projektleiter bei Tech4Impact. «So kann die Industrie auch dazu gebracht werden, Umweltaspekte ernster zu nehmen.»

Im November 2020 befand sich das Projekt noch in der Pilotphase. Die Studierenden werden nach ihrem Praktikum um Rückmeldung gebeten, damit ihr Interesse bewertet und überprüft werden kann, ob die Nachhaltigkeitsbedingungen wie angekündigt eingehalten wurden. Das Angebot stösst bei den Unternehmen jedenfalls auf reges Interesse. Mehrere Dutzend Praktika wurden bereits zertifiziert.

Die nächsten Praktika sind für den Zeitraum Februar bis September 2021 geplant. Alle Informationen finden Sie hier.

Gemeinsamer Master für nachhaltiges Management und Technologie

Unter der Ägide des Zentrums Enterprise for Society (E4S) hat die EPFL mit ihrem College für Technologiemanagement gemeinsam mit der Universität Lausanne und ihrer Fakultät HEC sowie der IMD Business School einen Master für nachhaltiges Management und Technologie entwickelt. In allen drei Einrichtungen werden Kurse für dieses neue, zweijährige und auf drei Pfeilern gründende Programm angeboten: Technologie und Innovation, Wirtschaft und Management sowie Entwicklung nachhaltiger Lösungen. Es richtet sich an Studierende mit einem Bachelor der EPFL (oder einer gleichwertigen Universität) oder einem Bachelor der HEC (oder einer gleichwertigen Fakultät). Der Studienplan setzt sich aus Lehrveranstaltungen, Team-Projekten sowie einem Praktikum in der Industrie zusammen und soll zukünftige Unternehmer und Führungskräfte ausbilden, die in einem fächerübergreifenden Umfeld zu arbeiten wissen, sich der gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen bewusst sind und mit Innovationsgeist Technologien nutzen, um diesen Herausforderungen die Stirn zu bieten.

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