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Virtuell durchgeführte Projekte in Raum und Zeit

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Die Studierenden, die an den von der EPFL unterstützten fächerübergreifenden Projekten teilnahmen, mussten ebenfalls von zu Hause aus arbeiten, um die Ausbreitung von COVID-19 zu bremsen. Trotz der Schwierigkeiten packten sie diese Arbeit zuversichtlich an.

Dank der von der EPFL unterstützten fächerübergreifenden Projekte arbeiteten die Studierenden verschiedener Bereiche gemeinsam an konkreten Problemen. Als dann die COVID-19-Krise kam, mussten die Projektverantwortlichen sowie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer umplanen. Das Gebot der Stunde lautete: Anpassung!

Als im Frühling 2020 der Campus geschlossen wurde, arbeiteten die sechs am Robotikwettbewerb beteiligten Teams noch am Pflichtenheft ihres Reinigungsroboters. «Von einem Tag auf den anderen stand alles still», erklärt Alessandro Crespi, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Labor für Biorobotik und Koordinator des Wettbewerbs. «Was die Studierenden motiviert, ist der Bau des Roboters. Deshalb ist es undenkbar, das Projekt als Simulation durchzuführen.» Der Wettbewerb wurde folglich wie der interne Wettkampf Lab in a tube verschoben. Diese Entscheidung wurde offensichtlich von den Studierenden mitgetragen, weil sich alle erneut ins Abenteuer stürzen.

«In der Zwischenzeit bieten die Projektkoordinatorinnen und ‑koordinatoren eine Nachbetreuung in Form von Online-Workshops an, damit die Studierenden trotzdem die notwendigen Kenntnisse erwerben und die Herausforderungen meistern können, mit denen sie in ihrem Berufsleben konfrontiert werden», betont Julien Delisle, Koordinator der fächerübergreifenden Projekte.

Robotikwettbewerb, Ausgabe 2019 © Alain Herzog / EPFL

Online-Präsentation der Projekte

Mehrere für 2020 geplante Veranstaltungen wie der Wettbewerb SensUs wurden allerdings online durchgeführt. 2020 mussten die Teams einen Biosensor für die Epilepsiebehandlung erarbeiten. Die Studierenden, die die EPFL vertraten, entwickelten den theoretischen Aspekt ihres Projekts online weiter. Für einige begannen sogar die Tests zu Hause. «Wir waren ein wenig im DIY-Modus (Do It Yourself)», sagt Aurélie Ducrot, Studentin des Fachs Ingenieurwesen im Bereich Life Sciences.

Das Team von Helvet’Sens nutzte die aktuelle Situation zu seinem Vorteil und befasste sich mit einem Biosensor, der auch auf andere Moleküle angewendet werden könnte. «Wir könnten beispielsweise serologische Tests durchführen, um Coronavirus-Antikörper im Blut nachzuweisen», erklärt Maxime Marchionno. Der Mikrotechnikstudent fügt hinzu: «Diese umfangreiche theoretische Arbeit erforderte andere Kompetenzen, aber das ist enorm wertvoll.»

Helvet’Sens stellte sein Projekt folglich aus der Schweiz vor, genauso wie die Studierenden des Fachs Bioingenieurwesen, die am internationalen Wettbewerb für synthetische Biologie iGEM (International Genetically Engineered Machine) teilnahmen. «Es war schwer, während des Lockdowns voll motiviert zu bleiben», sagen Laura Iacobucci, Studentin des Fachs Chemie und Chemieingenieurwesen, und Harshdeep Harshdeep, Student des Bereichs Kommunikationssysteme. «Wir haben es aber geschafft, ein gut zusammengeschweisstes Team zu bleiben, um die Krise zu überstehen». Sie konnten zwar nicht ins Labor gehen, um ihr Projekt voranzutreiben und die Grundtechniken der synthetischen Biologie zu lernen, blieben aber dennoch zuversichtlich: «Die Entfernung zwang uns, alle Aspekte unserer Lösung genau zu prüfen und evolutivere Aspekte zu entwickeln.»

In normalen Zeiten bieten diese Wettbewerbe eine Gelegenheit, sich mit Fachleuten auszutauschen und einen Fuss in die Welt des Unternehmertums zu setzen. Dies fehlte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die darauf warten, ob eine Online-Version dieser Netzwerkarbeit in Betracht gezogen wird.

«Es war schwer, während des Lockdowns voll motiviert zu bleiben. Wir haben es aber geschafft, ein gut zusammengeschweisstes Team zu bleiben, um die Krise zu überstehen.»

Die Projekte kommen also voran, aber es entstehen auch neue Ideen. So lautet die positive Feststellung von Victoria Letertre, Studentin des Fachs Systemingenieurwesen und Präsidentin des Vereins GrowBotHub. Dieser hat ein Robotersystem entworfen, das automatisiert und selbstständig Pflanzen zieht und erntet und unter extremen Bedingungen genutzt werden soll. Das Projekt wurde im Juli 2020 anlässlich der zweiten IGLUNA-Ausgabe online vorgestellt.

Verlorene oder gewonnene Zeit?

Aufgrund der Verschiebung oder Absage der Wettbewerbe gab es keine europäische Tournee für das EPFL Racing Team, keine Ausfahrt auf dem Mittelmeer für das Team von Swiss Solar Boat und keine Chinareise für das China Hardware Innovation Camp (CHIC). Auch der Spaceport America Cup in der Wüste von New Mexico, an dem das EPFL Rocket Team hätte teilnehmen sollen, fand nicht statt. Die Rakete hätte im April 2020 fertig gebaut und getestet werden sollen. Stattdessen arbeitete das Team von zu Hause aus mehr oder weniger erfolgreich an einigen Bauteilen und konnte sich im Juli ein Zeitfenster für einen Start von einer Basis der Schweizer Armee aus sichern.

Das EPFL Racing Team beschloss, auf den Bau seines Prototyps zu verzichten. «Wir wollen unsere Ressourcen nutzen, um die Optimierung voranzutreiben und das Fahrzeugdesign für nächstes Jahr zu verbessern», sagt Teamleiter Pierre Georges. Dasselbe gilt auch für das Team des Swiss Solar Boat, ausser dass die Montage des Boots bereits im Gang war, als der Campus geschlossen wurde. «Wir hatten gerade die Bauteile von der Werft geholt», erklärt Adrien Peltier, Präsident des Vorstandes. «Wir änderten unsere Arbeitsweise und richteten unsere Anstrengungen auf die Konzeption aus. Das ist gut, weil wir jetzt ein gelungeneres Design haben.» Dank der Anstrengungen von Julien Delisle und Alessandro Crespi können die Studierenden von zu Hause aus Simulationen durchführen. Sie haben nämlich leistungsfähige Computer mit Fernzugriff zur Verfügung gestellt, um diese Arbeit zu ermöglichen.

Weniger langfristige Auswirkungen auf die Projekte

Die rund 40 ehemaligen und aktuellen Studierenden von SP80 wollen nach wie vor 2022 einen neuen Geschwindigkeitsrekord für Segelboote aufstellen. Die Projekte wurden angepasst, um online weiterarbeiten zu können, und die Studierenden erhalten ihre Credits wie geplant. Das Team nutzte die Zeit sogar, um den Rückstand bei bestimmten technischen Aspekten aufzuholen. «Mit der teilweisen Wiederaufnahme der Arbeit Anfang Mai konnte ich mit ein paar anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die zum Team gehören, auf den Campus zurückkehren», erklärt Projektleiter Mayeul van den Broek. «Wir nutzten unsere freie Zeit, um beim Bau des Prototyps voranzukommen und dann den Studierenden Rückmeldung zu geben.» Für ihn verursacht die Gesundheitskrise vor allem Probleme beim Sponsoring: «Bis Anfang 2021 können wir weiterarbeiten, weil viele Dinge intern erledigt werden können. Wir müssen aber die nötigen Mittel finden, um im April/Mai mit dem Bau des Boots zu beginnen.»

Nicolas Martinod, Vizepräsident des Vereins EPFL Spacecraft Team, ist der Meinung, dass sein Team zu den Glücklichen gehört. «Wir befinden uns in der ersten Phase des Satellitenbaus. Dabei geht es vor allem um das Design, und das können wir von zu Hause aus erledigen», sagt er. «Wir mussten nur unsere Methode für die Gewinnung von Teammitgliedern für nächstes Jahr ändern, aber alles ging gut, weil wir knapp 40 Bewerbungen erhielten.»

Das Projekt Bal’eclectic, mit dem Studierende auf die Innovationsmöglichkeiten im Kulturbereich aufmerksam gemacht werden sollen, wurde verschoben. Die Anwendung für das Tracking von Menschenmengen und Emotionen kann vollständig fertig entwickelt und am Festival Balélec 2021 getestet werden.

Günstige Zeit für neue Initiativen

Die Studierenden des EPFL Rocket Team wollen über das hinausgehen, was geplant war. «Um den Geist der Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten, haben wir die europäischen Teams gefragt, was sie zu dieser Situation sagen und welche Möglichkeiten sie für eine eventuelle europäische Lancierung hätten», sagt Mikrotechnikstudent Pierre Groslambert. Auch wenn das Datum noch unsicher ist, scheint diese Initiative gut gestartet zu sein, weil Gespräche mit rund 30 Teams und den Weltraumagenturen verschiedener Länder laufen, um einen Startort zu finden. Maschinenbaustudent Baptiste De Christen ergänzt: «Wir hoffen, so einen europäischen Wettkampf ins Leben zu rufen.»

Die Zeit des Lockdowns bot auch Gelegenheit für Überlegungen der Projektträger, weil zahlreiche Vorschläge auf dem Schreibtisch von Julien Delisle landeten: «Das ist sehr positiv, denn mit vielen dieser Projekte können die Studierenden von bislang weniger vertretenen Bereichen beteiligt werden.» Das Abenteuer geht weiter.

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